Barrierefreiheit in PDFs und Dokumenten – oft übersehen aber Pflicht
Ab 2025 sind auch PDFs und Dokumente von der Barrierefreiheitspflicht betroffen. Erfahre, wie du barrierefreie PDFs nach WCAG & PDF/UA erstellst, typische Fehler vermeidest und deine Inhalte zukunftssicher machst.

Spätestens mit dem Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) ab 28. Juni 2025 geraten nicht nur Websites, sondern auch Dokumente wie PDFs in den Fokus. Viele Unternehmen optimieren ihre Seiten – lassen aber Downloads, Angebotsunterlagen, Preislisten oder Whitepaper außen vor. Genau hier entstehen kritische Barrieren, die Nutzer:innen ausschließen – und rechtliche Risiken verursachen.
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Was gilt als barrierefreies PDF?
Ein PDF ist barrierefrei, wenn Struktur, Inhalt und Interaktion für alle Menschen zugänglich sind – inkl. Screenreader-Nutzung und Tastaturbedienung. Maßgebliche Standards sind:
- WCAG 2.1/2.2 (AA) für die inhaltliche/technische Zugänglichkeit
- PDF/UA (ISO 14289) für PDF-spezifische Anforderungen (Tags, Lese-Reihenfolge, Formulare)
- EN 301 549 als europäische Norm zur Barrierefreiheit von IKT-Produkten und -Diensten
Häufige Barrieren in PDFs (und ihre Folgen)
- Fehlende Tags & falsche Lese-Reihenfolge: Screenreader springen kreuz und quer → Inhalte unverständlich.
- Ohne Überschriftenstruktur (H1–H6): Keine Navigation, kein Überblick.
- Bilder ohne Alternativtexte: Wichtige Informationen bleiben verborgen.
- Tabellen ohne Kopfzeilen/Scopes: Datensätze sind nicht interpretierbar.
- Formulare ohne Labels/Tab-Reihenfolge: Felder nicht nutzbar, Validierung unklar.
- Gescanntes Bild-PDF (ohne OCR): Kein Text – damit nicht durchsuch- oder vorlesbar.
- Fehlende Dokumenteigenschaften: Kein Titel, falsche Sprache, keine Lesezeichen.
- Sicherheitseinstellungen blockieren Assistenztechniken: Screenreader gesperrt.
Schritt-für-Schritt: So erstellst du barrierefreie PDFs
1) Richtig in der Quelle starten (Word, Google Docs, PowerPoint & Co.)
- Formatvorlagen für Überschriften, Listen, Zitate, Tabellen konsequent nutzen.
- Alternativtexte schon im Quelldokument ergänzen.
- Aussagekräftige Linktexte („Angebot anfordern“ statt „hier“).
- Tabellen korrekt: Kopfzeile(n) definieren, einfache Struktur statt verschachtelter Zellen.
- Lesereihenfolge im Layout bedenken (Spalten, Textfelder, Bilder).
2) Korrekt exportieren
- „Als PDF (mit Tags)“ exportieren – kein „Druck-PDF“.
- Dokumenteigenschaften setzen: Titel, Autor, Themen, Sprache (z. B. de-AT).
3) PDF nachbearbeiten (z. B. in Acrobat o. ä.)
- Tags prüfen & ergänzen:
<H1>–<H6>, <P>, <L>, <LI>, <Figure>, <Table>, <TH>, <TD>. - Lese-Reihenfolge im Panel kontrollieren und korrigieren.
- Alt-Texte für Abbildungen/Diagramme ergänzen; Deko-Grafiken als „Artefakt“.
- Tabellen semantisch: Kopfzellen als
<TH>mit Scope (row/col) markieren. - Formularfelder: Labels/Tooltips, Tab-Reihenfolge, Fehlermeldungen, Tastaturfokus.
- Lesezeichen aus Überschriften generieren (Navigation!).
- Sprache auf Dokument- und ggf. Absatz-/Wortebene setzen.
- Sicherheit: Keine Einstellungen, die Assistenztechnik blockieren.
4) Zusätzliche Qualitätskriterien
- Kontraste von Text/Elementen ausreichend (WCAG).
- Schriftgröße und Zeilenabstand gut lesbar; Umbruch bei 200 % Zoom ohne Verlust.
- Keine reinen Bild-PDFs: Falls Scans nötig → OCR (Texterkennung) durchführen.
Checkliste: Schnell-Gewinne („Quick Wins“)
Checkliste: Schnell-Gewinne („Quick Wins“)
- Überschriften mit Formatvorlagen + Lesezeichen
- Alt-Texte für alle bedeutungstragenden Bilder
- Tabellen mit Kopfzeilen und Scope
- Dokumenttitel & Sprache gesetzt (de-AT)
- Lese-Reihenfolge geprüft und korrigiert
- Formulare: Labels, Tastatur-Tab-Order, klare Fehlermeldungen
- Keine blockierenden Sicherheitseinstellungen
Prüfen: So testest du barrierefreie PDFs
- Automatisierte Prüfungen: Grundcheck (Tags, Titel, Sprache, Formular-Basics).
- Manuelle Prüfungen sind Pflicht:
PDF mit Screenreader (z. B. NVDA/JAWS/VoiceOver) vorlesen lassen → Reihenfolge & Sinn prüfen.
Nur Tastatur verwenden → Formular/Links erreichbar?
Zoom auf 200 % → Layout stabil, keine abgeschnittenen Inhalte?
Kontraste visuell/mit Checker prüfen.
- PDF mit Screenreader (z. B. NVDA/JAWS/VoiceOver) vorlesen lassen → Reihenfolge & Sinn prüfen.
- Nur Tastatur verwenden → Formular/Links erreichbar?
- Zoom auf 200 % → Layout stabil, keine abgeschnittenen Inhalte?
- Kontraste visuell/mit Checker prüfen.
- Dokumenten-Policy definieren: Wer erstellt, wer prüft, ab wann wird veröffentlicht?
Häufige Fragen (FAQ)
Muss jedes PDF barrierefrei sein? Alle öffentlich bereitgestellten und für Kund:innen relevanten Dokumente sollten barrierefrei sein – insbesondere, wenn sie Informationen oder Prozesse (Formulare) enthalten.
WCAG oder PDF/UA – was gilt? Beides: WCAG regelt die allgemeinen Zugänglichkeitskriterien; PDF/UA definiert die PDF-spezifische, technische Umsetzung (Tags, Strukturen, Formulare).
Sind gescannte PDFs zulässig? Nur mit OCR-Texterkennung und anschließender Tagging-Nacharbeit. Reine Bild-PDFs sind nicht barrierefrei.
Was ist mit alten PDFs? Priorisieren: Häufig geladene und rechtlich/geschäftlich relevante Dokumente zuerst überarbeiten, veraltete Inhalte entfernen oder ersetzen.
So unterstützt dich BarriereFinder
BarriereFinder prüft deine Website automatisiert auf bis zu 40 % der WCAG-Kriterien (z. B. Kontraste, Alternativtexte auf der Seite, Tastaturnavigation) und kennzeichnet Inhalte, die manuell geprüft werden müssen – etwa PDF-Downloads. Du erhältst klare Berichte, Fehlerhinweise und Handlungsempfehlungen – inklusive Verweis darauf, wie Dokumente sollten (z. B. PDF/UA-konform) aufgebaut sein.


