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Barrierefreiheit in PDFs und Dokumenten – oft übersehen aber Pflicht

Ab 2025 sind auch PDFs und Dokumente von der Barrierefreiheitspflicht betroffen. Erfahre, wie du barrierefreie PDFs nach WCAG & PDF/UA erstellst, typische Fehler vermeidest und deine Inhalte zukunftssicher machst.

BarriereFinder
7. September 2025
Barrierefreiheit in PDFs und Dokumenten – oft übersehen aber Pflicht

Spätestens mit dem Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) ab 28. Juni 2025 geraten nicht nur Websites, sondern auch Dokumente wie PDFs in den Fokus. Viele Unternehmen optimieren ihre Seiten – lassen aber Downloads, Angebotsunterlagen, Preislisten oder Whitepaper außen vor. Genau hier entstehen kritische Barrieren, die Nutzer:innen ausschließen – und rechtliche Risiken verursachen.

👉 Lies ergänzend:


Was gilt als barrierefreies PDF?

Ein PDF ist barrierefrei, wenn Struktur, Inhalt und Interaktion für alle Menschen zugänglich sind – inkl. Screenreader-Nutzung und Tastaturbedienung. Maßgebliche Standards sind:

  • WCAG 2.1/2.2 (AA) für die inhaltliche/technische Zugänglichkeit
  • PDF/UA (ISO 14289) für PDF-spezifische Anforderungen (Tags, Lese-Reihenfolge, Formulare)
  • EN 301 549 als europäische Norm zur Barrierefreiheit von IKT-Produkten und -Diensten

Häufige Barrieren in PDFs (und ihre Folgen)

  • Fehlende Tags & falsche Lese-Reihenfolge: Screenreader springen kreuz und quer → Inhalte unverständlich.
  • Ohne Überschriftenstruktur (H1–H6): Keine Navigation, kein Überblick.
  • Bilder ohne Alternativtexte: Wichtige Informationen bleiben verborgen.
  • Tabellen ohne Kopfzeilen/Scopes: Datensätze sind nicht interpretierbar.
  • Formulare ohne Labels/Tab-Reihenfolge: Felder nicht nutzbar, Validierung unklar.
  • Gescanntes Bild-PDF (ohne OCR): Kein Text – damit nicht durchsuch- oder vorlesbar.
  • Fehlende Dokumenteigenschaften: Kein Titel, falsche Sprache, keine Lesezeichen.
  • Sicherheitseinstellungen blockieren Assistenztechniken: Screenreader gesperrt.

Schritt-für-Schritt: So erstellst du barrierefreie PDFs

1) Richtig in der Quelle starten (Word, Google Docs, PowerPoint & Co.)

  • Formatvorlagen für Überschriften, Listen, Zitate, Tabellen konsequent nutzen.
  • Alternativtexte schon im Quelldokument ergänzen.
  • Aussagekräftige Linktexte („Angebot anfordern“ statt „hier“).
  • Tabellen korrekt: Kopfzeile(n) definieren, einfache Struktur statt verschachtelter Zellen.
  • Lesereihenfolge im Layout bedenken (Spalten, Textfelder, Bilder).

2) Korrekt exportieren

  • „Als PDF (mit Tags)“ exportieren – kein „Druck-PDF“.
  • Dokumenteigenschaften setzen: Titel, Autor, Themen, Sprache (z. B. de-AT).

3) PDF nachbearbeiten (z. B. in Acrobat o. ä.)

  • Tags prüfen & ergänzen: <H1>–<H6>, <P>, <L>, <LI>, <Figure>, <Table>, <TH>, <TD>.
  • Lese-Reihenfolge im Panel kontrollieren und korrigieren.
  • Alt-Texte für Abbildungen/Diagramme ergänzen; Deko-Grafiken als „Artefakt“.
  • Tabellen semantisch: Kopfzellen als <TH> mit Scope (row/col) markieren.
  • Formularfelder: Labels/Tooltips, Tab-Reihenfolge, Fehlermeldungen, Tastaturfokus.
  • Lesezeichen aus Überschriften generieren (Navigation!).
  • Sprache auf Dokument- und ggf. Absatz-/Wortebene setzen.
  • Sicherheit: Keine Einstellungen, die Assistenztechnik blockieren.

4) Zusätzliche Qualitätskriterien

  • Kontraste von Text/Elementen ausreichend (WCAG).
  • Schriftgröße und Zeilenabstand gut lesbar; Umbruch bei 200 % Zoom ohne Verlust.
  • Keine reinen Bild-PDFs: Falls Scans nötig → OCR (Texterkennung) durchführen.

Checkliste: Schnell-Gewinne („Quick Wins“)

Checkliste: Schnell-Gewinne („Quick Wins“)

  • Überschriften mit Formatvorlagen + Lesezeichen
  • Alt-Texte für alle bedeutungstragenden Bilder
  • Tabellen mit Kopfzeilen und Scope
  • Dokumenttitel & Sprache gesetzt (de-AT)
  • Lese-Reihenfolge geprüft und korrigiert
  • Formulare: Labels, Tastatur-Tab-Order, klare Fehlermeldungen
  • Keine blockierenden Sicherheitseinstellungen

Prüfen: So testest du barrierefreie PDFs

  • Automatisierte Prüfungen: Grundcheck (Tags, Titel, Sprache, Formular-Basics).
  • Manuelle Prüfungen sind Pflicht: PDF mit Screenreader (z. B. NVDA/JAWS/VoiceOver) vorlesen lassen → Reihenfolge & Sinn prüfen. Nur Tastatur verwenden → Formular/Links erreichbar? Zoom auf 200 % → Layout stabil, keine abgeschnittenen Inhalte? Kontraste visuell/mit Checker prüfen.
    • PDF mit Screenreader (z. B. NVDA/JAWS/VoiceOver) vorlesen lassen → Reihenfolge & Sinn prüfen.
    • Nur Tastatur verwenden → Formular/Links erreichbar?
    • Zoom auf 200 % → Layout stabil, keine abgeschnittenen Inhalte?
    • Kontraste visuell/mit Checker prüfen.
  • Dokumenten-Policy definieren: Wer erstellt, wer prüft, ab wann wird veröffentlicht?

Häufige Fragen (FAQ)

Muss jedes PDF barrierefrei sein? Alle öffentlich bereitgestellten und für Kund:innen relevanten Dokumente sollten barrierefrei sein – insbesondere, wenn sie Informationen oder Prozesse (Formulare) enthalten.

WCAG oder PDF/UA – was gilt? Beides: WCAG regelt die allgemeinen Zugänglichkeitskriterien; PDF/UA definiert die PDF-spezifische, technische Umsetzung (Tags, Strukturen, Formulare).

Sind gescannte PDFs zulässig? Nur mit OCR-Texterkennung und anschließender Tagging-Nacharbeit. Reine Bild-PDFs sind nicht barrierefrei.

Was ist mit alten PDFs? Priorisieren: Häufig geladene und rechtlich/geschäftlich relevante Dokumente zuerst überarbeiten, veraltete Inhalte entfernen oder ersetzen.


So unterstützt dich BarriereFinder

BarriereFinder prüft deine Website automatisiert auf bis zu 40 % der WCAG-Kriterien (z. B. Kontraste, Alternativtexte auf der Seite, Tastaturnavigation) und kennzeichnet Inhalte, die manuell geprüft werden müssen – etwa PDF-Downloads. Du erhältst klare Berichte, Fehlerhinweise und Handlungsempfehlungen – inklusive Verweis darauf, wie Dokumente sollten (z. B. PDF/UA-konform) aufgebaut sein.

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